Warum Tablets im Unterricht?

Didaktische Relevanz

Studien belegen, dass Tablet Computing zur Schlüsselkompetenz wird und daher auch in den schulischen Alltag integriert werden sollte.

Horizon Report 2013

Der Horizon Report ist eine internationale Studie, in der Technologietrends in Bezug auf ihren Einfluss auf den Bildungsbereich untersucht werden. Er zählt weltweit zu den aktuellsten und angesehensten Informationsquellen bezüglich der Verwendung neuer Technologien im Bildungsbereich. In der Ausgabe von 2013 bildet Tablet Computing eine eigene von sechs Kategorien. Als Zeitfenster der Etablierung ist ein Jahr oder auch ein kürzerer Zeitraum vorgesehen, was die Dringlichkeit zeigt, Schüler in diesem Bereich kompetent zu machen.

JIM Studie 2012

Die JIM Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die den Medienumgang von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren untersucht, belegt, dass die Nutzung von Tablets stark zunimmt und mittlerweile bereits über der Nutzung von MP3-Playern liegt.

BITKOM

In dem Bildungspolitischen Grundsatzpapier des BITKOM (Bundesverband Informationswissenschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) aus dem Jahr 2011 wird eine Umfrage unter Schülern zum Einsatz von digitalen Lernmaterialien und der Nutzung webgestützter Kommunikation dokumentiert. Das Ergebnis zeigt, dass 92 % der Schüler der Meinung sind, dass elektronische Medien den Unterricht interessanter machen. Überdies wünschen sich 84 %, dass elektronische Medien stärker eingesetzt werden und 97 % geben an, dass elektronische Medien zum besseren Verständnis der Lerninhalte beitragen.

Die BITKOM-Trendumfrage aus dem Jahr 2013 zeigt, dass Cloudcomputing und Mobile Computing die Spitzengruppe anführen.

Organisatorische Vorteile gegenüber dem Computerraum

Der Blickkontakt der Schüler untereinander und auch zur Lehrperson wird nicht durch einen Bildschirm behindert.

Schüler können auch in Gruppen zusammenarbeiten, was in einem Computerraum durch die vorgegebene starre Sitzordnung nicht möglich ist.

Tablets ermöglichen einen mobilen Einsatz. Es müssen z.B. nicht mehr 33 Schüler in einer fünfminütigen Pause den Raum wechseln , sondern es kann in jedem Klassen – bzw. Kursraum und sogar außerhalb des Schulgebäudes gearbeitet werden.

Tablets ermöglichen ein Arbeiten ohne störende Verkabelung und ohne Abhängigkeit von einer Stromversorgung. Die Batterielaufzeit eines iPads, die bis zu 10 Stunden beträgt, ist für einen Schultag völlig ausreichend.

Aufgrund der kleinen Größe und des geringen Gewichts können Tablets problemlos an den Arbeitsort transportiert werden. Damit wird das Gerät stärker zum Medium und kann dort eingesetzt werden, wo ein Arbeiten damit sinnvoll ist.

Tablets sind direkt einsatzbereit und müssen nicht hoch- und heruntergefahren werden. So lohnt sich auch ein Einsatz in kurzen Unterrichtsphasen.

Bei iPads ist kein unerlaubtes Herunterladen von Daten möglich. Mit Hilfe des Configurators oder durch Aktivieren von Einschränkungen in den Einstellungen des iPads sind auch Veränderungen der Konfiguration so gut wie unmöglich bzw. durch Zurücksetzen der Einstellungen schnell wieder rückgängig gemacht. Über iTunes, durch die Verwendung des Configurators und durch Aktivieren der iCloud lassen sich zudem Einstellungen und Dateien schnell zwischen allen Geräten synchronisieren. Der Verwaltungsaufwand ist damit relativ gering.

Organisatorische Vorteile gegenüber Notebooks

Notebooks ermöglichen wie Tablets Mobilität. Jedoch sind sie aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts schwieriger zu transportieren als Tablets.

Möchte man außerhalb des Klassen- bzw. Kursraums (z.B. Unterrichtsgang) arbeiten, erweist sich das Notebook aufgrund des ausgeklappten Bildschirms als wenig praktisch.

In Gruppenarbeitsphasen kann bei dem Einsatz von Notebooks nicht jedes Gruppenmitglied den Bildschirm einsehen. Das flache Retina Display des iPads ermöglicht, dass alle Schüler die Aktivitäten verfolgen können.

Für das iPad gibt es v.a. im Bildungsbereich vielzählige Apps bzw. Apps, die im Bildungsbereich von großem Nutzen sein können, die für Notebooks nicht zur Verfügung stehen und auch durch Alternativen nur bedingt ersetzt werden können. Z.B. ist der Einsatz von QR-Codes im Unterricht sehr hilfreich. Auf Arbeitsblättern kann man mit Hilfe des QR-Codes die gewünschte Internetseite angeben, die danach schnell aufgerufen werden kann. Auch lassen sich Rallyes mit QR-Codes sehr gut organisieren. Die in das iPad integrierte Digitalkamera und eine entsprechende App, die es auch als kostenlose Version gibt, ermöglichen ein schnelles Erkennen des Codes und eine direkte Weiterleitung zu der gewünschten Webseite. Es gibt mittlerweile zwar entsprechende Software für Notebooks, die jedoch sehr umständlich zu bedienen ist (Code mit Hilfe eines Scanners einscannen oder mit einer Digitalkamera aufnehmen und auf das Notebook übertragen, in Bild umwandeln und dann von der entsprechenden Software erst entschlüsseln lassen).

Die Verwaltung der iPads ist gegenüber der der Notebooks relativ einfach. Während jedes Notebook einzeln verwaltet werden muss, kann man für die Verwaltung der iPads z.B. an einem MAC die entsprechenden Einstellungen, Änderungen bzw. Installationen vornehmen und sie dann mit Hilfe des Configurators schnell auf die iPads übertragen. Durch Racks oder entsprechende iPad-Koffer können die iPads schnell in die vorgesehenen Fächer geschoben und gleichzeitig aufgeladen werden, wobei nur eine Steckdose vorhanden sein muss. Bei Notebooks muss man den Akku für einen mobilen Einsatz aufladen, indem jedes Gerät einzeln an eine Stromversorgung angeschlossen wird.

Ein weiterer Nachteil der Notebooks ist, dass wenn weitere Geräte hinzugekauft werden, in der Regel eine neue Office-Version zur Verfügung steht. Das führt dazu, dass keine einheitlichen Erläuterungen der Handhabung bestimmter Programmabläufe möglich sind. Bei den iPads spielt das Modell keine Rolle, die Apps befinden sich in identischer Version auf den Geräten. Auch sind die Anwendungen trotz Bildungsrabatt für iPads durch Volumenlizenzen kostengünstiger als die Softwarelizenzen für Notebooks.

Organisatorische Vorteile gegenüber Smartphones

Der Einsatz von Smartphones kann nur über das System BYOD erfolgen. Das führt jedoch oft zu dem Wettbewerb, wer das neueste und angesagteste Modell besitzt, was nicht Ziel der Unterrichtstätigkeit ist.

Außerdem erschwert die Verwendung schülereigener Geräte die Arbeit mit bestimmten Apps oder Webtools. Bei Apps besteht das Problem, dass die entsprechende App nicht auf dem schülereigenen Smartphone installiert ist. Des Weiteren kann man auch bei kostenpflichtigen Apps nicht von den Schülern erwarten, die App zu kaufen. Bei Webtools ist in den meisten Fällen eine Registrierung erforderlich. Bei der Verwendung der schuleigenen iPads kann das Gerät registriert werden, so dass die Schüler sich nicht gegen ihren Willen mit ihren eigenen Benutzerdaten einloggen müssen.

Für eine Arbeit über einen längeren Zeitraum (z.B. Erstellen von Präsentationen, Textproduktionen) ist das Display des Smartphones zu klein und die Tastatur zu unkomfortabel. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Schüler mit der Tastatur des iPads sehr schnell und sehr gut zurechtkommen.

Organisatorische Vorteile gegenüber analogem Arbeiten

Ergebnisse können schnell durch Eingeben in Textverarbeitungs- oder Präsentationsprogramme bzw. Webtools gesichert werden. Diese können dann allen Schülern z.B. über das Schulnetz, Clouddienste oder auch per Mail zur Verfügung gestellt werden.

Webtools oder Clouddienste ermöglichen den Zugriff der Schüler auf alle Arbeitsergebnisse. Damit können auch Lerngruppen von z.B. 30 Schülern gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Des Weiteren können eigene Ergebnisse mit denen anderer Schüler verglichen werden. Daher kann dies auch zur Peer-Evaluation oder Peer-Correction verwendet werden.

Förderung von Lernprozessen

Individualisiertes Lernen

Mit Tablets können Schüler ihren individuellen Lernprozess planen, steuern und evaluieren, was die Lernerautonomie fördert und differenziertes Arbeiten ermöglicht. Beispiele dafür sind:

  • Internetrecherche / Webquests
  • Online-Übungen / Learning Apps
  • Moodle-Kurse
  • Nutzung von Wörterbüchern und Nachschlagewerken als App oder Webangebot

Kollaboratives und kooperatives Lernen

Der Einsatz von Tablets kann so gestaltet werden, dass soziale Kompetenzen und problemlösendes Denken durch kooperative Aufgaben gefördert werden. Es gibt viele Angebote im Internet und auch Apps für das iPad, die ermöglichen, dass Schüler gemeinsam an einem Produkt arbeiten. Im folgenden sollen einige Beispiele genannt werden.

  • Webtools wie Etherpad, Groupzap, Glogster
  • Apps wie Popplet, Comic Life, Wave Pad
  • Plattformen wie ZUM Wiki
  • Clouddienste wie iCloud, Google Drive, Dropbox
  • Kamerafunktion
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18 thoughts on “Warum Tablets im Unterricht?

  1. Beat Döbeli Honegger 21/05/2013 / 08:59

    Hmm, eigentlich werden hier wenig wirklich tablet-spezifische Vorteile erwähnt: Der Unterschied Computerraum versus Poolgeräte lässt sich auch mit Netbooks oder Notebooks erreichen und die Vorteile digitalen Arbeitens versus analogen Arbeitens gelten für alle digitalen Geräte. Die lange Akkulaufzeit und die sofortige Verfügbarkeit scheinen mir am ehesten tablet-spezifisch zu sein, aber auch Smartphones bieten diese Eigenschaften.

    • ohgpads 21/05/2013 / 10:45

      Die Argumentationsliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mir sind Überschneidungen mit Alternativen durchaus bewusst, daher habe ich die Argumentation in bestimmte Bereiche unterteilt. Die Schnittmenge sollte einen kleinen Ausschnitt unserer Überlegungen bzgl. der Anschaffung schuleigener iPads darstellen.
      Net- bzw. Notebooks haben sich an unserer Schule nicht als wirkliche Alternative herausgestellt. Es ist im Vergleich zu den iPads sehr umständlich, 20 Notebooks in einer fünfminütigen Pause vom Erdgeschoss in den 4. Stock zu transportieren. Zudem arbeiten die Notebooks mittlerweile sehr langsam, was wenig motiviert. Des Weiteren befinden sich auf den Geräten unterschiedliche Office-Versionen, was dazu führt, dass Erläuterungen zur Handhabung immer durch Hinweise unterbrochen werden, dass dies auf mindestens einem Gerät so nicht auszuführen ist. Daher werden die Notebooks mittlerweile (auch bereits vor der Anschaffung der iPads) kaum noch von den Kollegen ausgeliehen.
      Es stimmt teilweise, dass die Unterschiede zu analogem Arbeiten auch für andere digitale Geräte gelten, jedoch ist in diesem Bereich der Workflow auf iPads schneller bzw. angenehmer. Gerade wenn Dokumente in Keynote, Pages oder Numbers erstellt werden, kann durch die iCloud auf allen iPads das Produkt der Mitschüler direkt angesehen werden. Bei anderen Clouddiensten muss das Produkt erst fertiggestellt und in die Cloud geschoben werden. Bei der Arbeit mit Spreadsheets oder Etherpads ist dies zwar nicht der Fall, jedoch sind die Gestaltungsmöglichkeiten hier sehr eingeschränkt. Zudem bleibt auch bei Notebooks das Problem des gestörten Blickkontakts und es hat auch in Gruppenarbeitsphasen nicht jedes Gruppenmitglied Zugang zu dem Bildschirm.
      Smartphones bieten ähnliche Möglichkeiten, aber der Einsatz geht nur über das System BYOD. Das führt jedoch zu dem Konkurrenzkampf, dass jeder das neueste und angesagteste Modell haben möchte, was wir gerade durch die Anschaffung schuleigener Tablets vermeiden wollen. Außerdem ist in meinem Unterrichtseinsatz der iPads das Display der Smartphones zu klein und da die Schüler im Fremdsprachenunterricht viel Text produzieren auch die Tastatur zu unkomfortabel.
      Liebe Grüße,
      Monika Heusinger

  2. Beat Döbeli Honegger 21/05/2013 / 09:01

    „Studien belegen, dass Tablet Computing zur Schlüsselkompetenz wird und daher auch in den schulischen Alltag integriert werden sollte.“

    Für diesen Satz hätte ich gerne Belege.

    • ohgpads 21/05/2013 / 09:46

      Die Belege finden sich z.B. in den darunter aufgeführten Analysen. Die Links führen zu den entsprechenden Dokumenten.

      • Beat Döbeli Honegger 21/05/2013 / 10:14

        Die BITKOM- und die JIM-Studie besagen nur, dass die ausserschulische Nutzung von Tablets zunimmt. Von dieser Aussage bis zur „Schlüsselkompetenz“ ist es ein weiter Weg. Zudem ist mir nicht klar, was „Tablet Computing“ genau bedeuten soll. Welche _tabletspezifischen_ Kompetenzen sind so wichtig, dass sie zwingend in den Unterricht gehören?

  3. ohgpads 21/05/2013 / 10:52

    Gerade um die außerschulische Nutzung geht es ja. Wir möchten im Unterricht ja kein Teaching to the Test betreiben. Dass Tablet Computing zu den Schlüsselkomptenzen im Bereich Mediennutzung gehört, wird im Horizon Report thematisiert.
    Für mich bedeutet Tablet Computing nicht nur die Handhabung des Geräts, sondern v.a. stelle ich fest, dass mittlerweile sehr viele Schüler Tablets besitzen, das Potential der Geräte aber nicht wirklich zu nutzen wissen.
    Monika Heusinger

    • Beat Döbeli Honegger 21/05/2013 / 11:13

      Ich lese im Horizon Report nur, dass Tablets derzeit das Gerät der Wahl darstellen, wenn es um die Nutzung digitaler Objekte geht. Das ist für mich etwas anderes (kurzfristige Technologieentscheidung) als „Schlüsselkompetenzen“ (langfristige Bildungsfrage), wo es um die Frage der Allgemeinbildung geht.
      Ja, heute besitzen Jugendliche zunehmend Tablets. Aber ich würde ihnen nicht „Tabletkompetenz“ beibringen wollen, da ich dann spätestens bei Google Glass wieder eine Bildungsrevolution ausrufen müsste. Aus meiner Sicht spielt es für die Frage der Allgemeinbildung eine geringe Rolle, ob Notebook, Netbook, Smartphone oder Tablet.

  4. Beat Döbeli Honegger 21/05/2013 / 11:17

    Ich bezweifle im Übrigen ja keineswegs, dass Tablets für diese Schule derzeit das geeignete Gerät sind. Als Befürworter digitaler Medien in der Bildung ist es mir aber wichtig, dass die Begründungen kritisch hinterfragt werden. Da dieser Blogbeitrag verschiedentlich über soziale Medien verbreitet wurde, war es mir ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass mir gewisse Aussagen zu pauschal oder verallgemeinert schienen. (Wenn die Laptops der Schule wie in einem Kommentar geschildert alt und langsam sind, dann ist das ein Argument gegen die vorhandenen Laptops in der spezifischen Schule, aber weder gegen neue Laptops noch gegen Laptops allgemein).

    • ohgpads 21/05/2013 / 12:03

      Bzgl. der Argumentation mit Google Glass: Es geht nicht darum, jedem Hype nachzulaufen. Vielmehr ist es wichtig, bestehende Abläufe immer wieder zu hinterfragen und zu optimieren. In unserem Fall haben sich die iPads als ein Medium herausgestellt, dass schnell einsetzbar ist und mit dem sich vielzählige Lernprozesse unterstützen lassen. Neue Laptops anzuschaffen war keine Alternative, da die Verwaltung im Vergleich zu iPads aufwendiger und die Softwarelizenzen teurer sind. Bei iPads ist es egal, welches Modell ich besitze. Die Apps sind immer in der gleichen Version vorhanden.
      Es stimmt, dass jeder entscheiden muss, welches Medium ihm am geeignetesten erscheint. Jedoch kamen Smartphones aufgrund des BYOD-Systems (s.o.) nicht in Frage und Notebooks haben sich aus ebenfalls oben beschriebenen Gründen nicht als praktisch erwiesen. Außerdem kann ich im Unterricht nicht immer die Schüler entscheiden lassen, welches Gerät sie bevorzugen, da ich mit bestimmten Apps oder Webtools arbeiten möchte, die dann auf dem schülereigenen Gerät nicht installiert sind bzw. auf dem kein Zugang zu dem Tool besteht, denn ich registriere die iPads für die Anwendung, damit Schüler nicht gezwungen sind, sich evtl. gegen ihren Willen bei einem Anbieter anzumelden.

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